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Das „Projekt“ als Metapher der Biographie. Verwaltungslogik und Selbstwerdung

Yannick Kalff

Abstract


Zusammenfassung

Projekte stehen für einen aktiven Lebensstil, der auf Kreativität, Innovation, Flexibilität und Befristung verweist. Projekte sind nicht nur Einzelunternehmungen, die bewältigt werden sollen; sie erzeugen ein biographisches Narrativ, nach welchem Menschen ihr Leben orientieren. Darüber hinaus verweisen sie auf klare Strukturen, die durch Verwaltungslogiken organisiert werden. Projekte sind verwaltete Organisationszusammenhänge und suggerieren ein modernistisches Ordnungsdenken, welches sich in Zeitplänen, Fristen und Befristung ausdrückt. Ein solcher biographischer Selbstentwurf kann sich eines metaphorischen Projektbegriffs bedienen. Dieser Beitrag fragt nach den Implikationen und den verwaltenden Funktionen der Projektrhetorik in Biographien. Die These ist, dass projektifizierte Biographien spezifische Ordnungs- und Steuerungsmechanismen sowie Rechtfertigungsordnungen aufgreifen und so Lebensläufe selbstverantwortlich verwaltbar und planbar machen. Der Beitrag befasst sich zunächst mit den Begriffen Lebenslauf und Biographie, bevor er sich dann der Begriffsgeschichte und einer kurzen Darlegung von Blumenbergs Metaphorologie widmet. Die Metapher des Projekts wird als pragmatische Annäherung an ein Strukturprinzip interpretiert. Dieses wird zum einen als Rechtfertigungsordnung gelesen und zum anderen als Kontrollmodus interpretiert. Abschließend schlägt der Beitrag einen Bogen und diskutiert, wie individueller Lebenslauf und biographische Singularität den Kern einer spätmodernen Subjektivität bilden, deren diskursive Vermittlung im Individuum eingeschrieben und doch offen für das Eigensinnige ist.

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Bibliographie: Kalff, Yannick: Das „Projekt“ als Metapher der Biographie. Verwaltungslogik und Selbstwerdung, BIOS, 1-2016, S. 28-46. https://doi.org/10.3224/bios.v29i1.03


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