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Rassismus, Kultur und Rationalität. Drei Rassismustheorien in der kritischen Praxis

Floris Biskamp

Abstract


Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag nimmt zwei Kernfragen der Rassismustheorie auf: erstens die Frage nach dem Verhältnis von Rassismus und Rationalität sowie zweitens die Frage, welches Sprechen über Kultur als rassistisch auszuweisen ist. Dabei vergleicht der Autor zunächst zwei rassismustheoretische Ansätze, deren Antworten auf diese Fragen er anhand der Bewertung von Kants Rassentheorie im Kontext seines Gesamtwerks sowie anhand der Diskussionen um antimuslimischen Rassismus vergleicht. Auf der einen Seite steht ein Verständnis von Rassismus als Ideologie oder falsches Bewusstsein. Der in diesem Ansatz vertretene emphatische Vernunftbegriff ermöglicht es, eine herrschaftskritische Position zu begründen sowie eine Grenze zwischen rassistischen und kritischen Formen des Sprechens über Kultur zu ziehen; der Fokus auf die Bewusstseinsebene führt jedoch dazu, dass die für Rassismus entscheidenden Macht- und Diskursdynamiken unterbelichtet bleiben. Auf der anderen Seite steht ein Verständnis von Rassismus als Herrschaftsverhältnis oder Diskurs. Hier werden Macht- und Diskursdynamiken besonders scharf dargestellt; durch den Verzicht auf einen positiven Vernunftbezug entzieht sich diese Form der eigenen rassismuskrtischen Praxis aber selbst eine wichtige Grundlage, was zu einer oftmals reduktionistischen Form der Kritik führt. Um die Stärken beider Ansätze zu verbinden, wird am Ende ein Verständnis von Rassismus als systematisch verzerrtem Kommunikationsverhältnis eingeführt, das erlaubt, Macht und Diskursdynamiken zu analysieren, ohne auf einen starken Vernunftbegriff zu verzichten.

Schlagwörter: Rassismus, Rassismustheorie, Immanuel Kant, antimuslimischer Rassismus, Islamophobie

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Abstract

This article discusses two questions central to the theory of racism: first, the interrelation of racism and rationality and, second, the question of which representations of cultures should be deemed racist. The author compares two prominent approaches to the theory of racism by analysing how they assess the position of Kant’s theory of race in the context of his oeuvre and how they position themselves in the discussions on anti-Muslim racism. The first approach defines racism as an ideology or a form of false consciousness. The emphatic understanding of reason championed in this approach allows for a coherent foundation of the critique of social domination as well as for discerning critical ways of speaking about culture from racist ones. However, the focus on consciousness renders invisible the dynamics of power and discourse crucial for racism. The second approach defines racism as a relationship of social domination or discourse. This approach is particularly effective in analysing dynamics of power and discourse. However, by renouncing any positive concept of reason or rationality, this form of critique deprives itself of an important foundation, resulting in an oftentimes reductionist form of critique. In order to connect the strengths of both approaches, the author proposes an understanding of racism as systematically distorted communication, allowing for the analysis of dynamics of power and discourse without renouncing an emphatic understanding of reason and rationality.

Keywords: racism, theory of racism, Immanuel Kant, anti-muslim racism, islamophobia

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Bibliographie: Biskamp, Floris: Rassismus, Kultur und Rationalität. Drei Rassismustheorien in der kritischen Praxis, PERIPHERIE, 2-2017, S. 271-296. https://doi.org/10.3224/peripherie.v37i2.07


Literaturhinweise



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