Die Jugendweihe als staatlicher Erfahrungsraum. Zwischen erzwungenem Ritual und privater Wiederaneignung (1950er bis 1980er Jahre)

Emmanuel Droit

Abstract


Zusammenfassung

Am Beispiel des Rituals der Jugendweihe wird die Wahrnehmung staatlicher Ordnungs- und Umgestaltungsmaßnahmen des SED-Regimes durch die Beteiligten untersucht. Mit Hilfe lokaler Berichte der Funktionäre der SED und der Schulbehörden sowie auf der Grundlage von Zeitzeugen-Interviews kann gezeigt werden, wie sehr das staatliche Agieren den Alltag der Menschen unter der sozialistischen Diktatur beeinflusste und wie zivilgesellschaftliche Akteure, hier am Beispiel der evangelischen Kirche in der Frühzeit der DDR, der Gefahr des Freiheitsverlusts mit Resistenz und Obstruktion begegneten. Nicht nur Druck und Propaganda „von oben“, sondern auch die wachsende Bereitschaft der Bevölkerung zum Arrangement mit der „Diktatur der Grenzen“ führten zu Beginn der sechziger Jahre zu einer zunehmenden Akzeptanz der Jugendweihe. In den siebziger und achtziger Jahren erreichte sie zwar den Status einer „populären sozialistischen Tradition“, sah sich ihrer ideologisch-politischen Komponenten allerdings weitgehend entkleidet. Vor diesem Hintergrund erfreut sich die Jugendweihe sowohl in der Erinnerungskultur als auch in der Lebenspraxis der Ostdeutschen einer weitgehend unbelasteten und positiven Bewertung.

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Bibliographie: Droit, Emmanuel: Die Jugendweihe als staatlicher Erfahrungsraum. Zwischen erzwungenem Ritual und privater Wiederaneignung (1950er bis 1980er Jahre), BIOS, 1+2-2014, S. 27-43. 
https://doi.org/10.3224/bios.v27i1-2.22116

Literaturhinweise



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