„Sozialistischer Patriotismus“

Arthur Schlegelmilch

Abstract


Zusammenfassung

Der Versuch der Etablierung eines sozialistischen Heimatverständnisses in der DDR traf zunächst auf relativ günstige Ausgangsbedingungen, da einerseits auf den Missbrauch des konservativen Heimatverständnisses durch den Nationalsozialismus verwiesen, andererseits an die Vorarbeiten der sozialistischen Heimatidee des 19. und frühen 20. Jahrhunderts angeknüpft werden konnte. Umfrageergebnisse, autobiographische, künstlerische und literarische Verarbeitungen sowie Aktivitäten auf zivilgesellschaftlicher Ebene belegen, dass das sozialistische Beheimatungsangebot über einen längeren Zeitraum auf positive Resonanz und Mitwirkungsbereitschaft stieß. Dass es letztlich nicht gelang, die Priorität der „großen“ gegenüber der „kleinen“ Heimat dauerhaft zum Tragen zu bringen, lag vor allem daran, dass die SED den sozialistischen Beheimatungsprozess als Leitungs- und Planungsaufgabe der zentralen Instanzen praktizierte und dessen diskursives, partizipatorisches und kritisches Potenzial ungenutzt ließ. Der auf der Berliner Alexanderplatzdemonstration vom 4. November 1989 gezeigte Plakatspruch „Wohngebiet ist Heimat“ brachte das Scheitern des „sozialistischen Patriotismus“ und den Triumph der „kleinen“ über die „große“ Heimat auf den Punkt.

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Bibliographie: Schlegelmilch, Arthur: „Sozialistischer Patriotismus“, BIOS, 1+2-2014, S. 61-77.
https://doi.org/10.3224/bios.v27i1-2.22118

Literaturhinweise



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