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Zwischen Eigennutz und Gemeinwohl: Verbandsfunktionen in Theorie und Praxis

Alexander Straßner

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Abstract


Zusammenfassung

Verbände sind für die Funktionsfähigkeit politischer Systeme unverzichtbar. Dessen ungeachtet haben Verbände in Deutschland noch immer mit einer negativen Konnotation zu kämpfen. Das Vorurteil, Verbände würden politische Institutionen, Prozesse und Akteure zu einem Spielball organisierter Interessen degradieren, lässt sich daher auch nur schwer aus der Welt schaffen: Verbände wären ein Blockadefaktor im dringend reformbedürftigen System der Bundesrepublik, sie würden durch ihre intransparente innerorganisatorische Willensbildung dem demokratischen Gleichheitsideal „one man, one vote“ widersprechen, ja generell fehle es ihnen an demokratischer Legitimation. Dass sich gerade der Vorwurf der Intransparenz hartnäckig hält, mag verwundern, lässt er sich doch mit allgemeinen organisatorischen Gründen und Argumenten der innerverbandlichen Effizienzsteigerung erklären und aushebeln. Die von Theodor Eschenburg in den sechziger Jahren als Frage formulierte „Herrschaft der Verbände“ wurde ungerechtfertigt als Faktum begriffen. Zweideutig gehaltene Titel in wissenschaftlichen Publikationen weisen Verbände als „stille Macht“ aus und tragen ungewollt zum negativen Hautgout bei. Der positiv konnotierte Pluralismusbegriff ist so dem negativ-anrüchigen „Lobbyismus“ gewichen. Mit der Schwäche einzelner Verbandssektoren ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem formuliert. Dass die rund 4.000 bundesweit tätigen und in der Lobbyliste des Deutschen Bundestages eingetragenen Verbände neben ihrer ureigenen und an der Existenz der vertretenen Klientel orientierten Arbeit auch über einen erheblichen demokratiepraktischen Wert verfügen, ist nämlich bis dato stets nur am Rande thematisiert worden.

1. Verbände und moderne Gesellschaft: ein getrübtes Verhältnis – 2. Verbandsfunktionen – 3. Verbände als Gemeinwohlhemmnis? Reflektierte und unreflektierte Kritik – 4. Fazit und Zusammenfassung

Schlagwörter: Verbände, Lobbyismus, Organisierte Interessen, Gemeinwohl


Literaturhinweise