Dynamische Konstruktionen von Erinnerung und Gewaltwahrnehmung Professionelle Selbstverortungen ehemaliger Fachkräfte der DDR-Heimerziehung

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Felicitas Söhner

Abstract

Zeitzeug*innenberichte ehemaliger DDR-Bürger*innen gewinnen in geschichtswissenschaftlichen und erinnerungspolitischen Debatten an Bedeutung. Im Kontext der DDR-Heimerziehung zeigen sich individuelle Erzählungen als mehr als bloße Rückblicke: Sie sind eng mit aktuellen Diskursen, kollektiven Deutungen und politischen Interessen verwoben. Aufbauend auf dem BMBF-Projekt „TESTIMONY“ (2019-2022) untersucht der Beitrag, wie narrative Interviews Spannungsfelder zwischen persönlicher Erfahrung, öffentlicher Deutung und gesellschaftlicher Anerkennung sichtbar machen. Es zeigt sich, dass Erinnerungen nie isoliert entstehen, sondern immer im Kontext gesellschaftlicher Erwartungen und medienvermittelter Deutungskämpfe. Interviews sind Teil eines institutionellen Aufarbeitungsrahmens, der sowohl strukturelle als auch emotionale Dynamiken prägt. Zeitzeug*innen bewegen sich dabei zwischen Anerkennung, Rechtfertigung und Widerspruch gegenüber dominanten Narrativen, während Forschende vor der Herausforderung stehen, analytische Distanz mit empathischem Verstehen zu verbinden. Der Beitrag plädiert dafür, Erinnerungen als dynamische narrative Konstruktionen zu verstehen, in denen auch Mythisierungen, Ambivalenzen und alternative Logiken Platz haben. Interdisziplinäre Ansätze aus Geschichte, Psychologie und Biographieforschung eröffnen dabei neue Zugänge zur Untersuchung des umkämpften kollektiven Gedächtnisses zur DDR.

Bibliographie: Söhner, Felicitas: Dynamische Konstruktionen von Erinnerung und Gewaltwahrnehmung. Professionelle Selbstverortungen ehemaliger Fachkräfte der DDR-Heimerziehung, BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 1-2026, S. 55-72.

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Erscheinungsdatum: Oktober 2026
Open-Access-Lizenz: CC BY 4.0

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