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Konsensdemokratie und die Transformation der schweizerischen Energiepolitik / Consensus democracy and the transformation of Swiss energy policy

Lorenz Kammermann, Rahel Freiburghaus

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Die Schweiz hat den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie im Jahre 2011 beschlossen, diesen Entscheid 2017 in einer Volksabstimmung bestätigt und so den Weg für einen grundlegenden Strukturwandel des Energiesystems freigemacht. Dieser Beitrag untersucht, wie direkte Demokratie, Föderalismus und Konkordanz – d. h. die Kerninstitutionen der schweizerischen Konsensdemokratie – auf den Entscheid zur Transformation der schweizerischen Energiepolitik wirken. Dabei werden die für das politische System der Schweiz charakteristischen Strukturen der Machtteilung, welche insbesondere auf den drei Kerninstitutionen direkte Demokratie, Föderalismus und Konkordanz sowie auf deren fallspezifischen losen Kopplungen basieren, dargestellt und ihre Wirkung auf die Transformation der schweizerischen Energiepolitik chronologisch nachgezeichnet. Aus der qualitativen Prozessanalyse zeigt sich erstens, dass keine der drei machtteilenden Institutionen der schweizerischen Konsensdemokratie, weder isoliert noch lose gekoppelt, eine ausschließlich transformationshemmende Wirkung entfaltete. Zweitens schien deren Zusammenspiel insbesondere in der vorparlamentarischen Phase (Konsultation) und im Vorfeld der Volksabstimmung bedeutend. Die Analyse zeigt auf, dass institutionelle Aspekte, welche in vielen Policy-zentrierten Studien vernachlässigt werden, eine ebenfalls relevante Erklärungsgröße für Politikwandel ausmachen.

Schlagworte: politische Steuerung; Energiepolitik; Konsensdemokratie; Schweiz

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Consensus democracy and the transformation of Swiss energy policy

Abstract

Switzerland’s government decided to phase out nuclear power in 2011. In 2017, the Swiss people accepted this decision in a popular referendum and made way for fundamental structural change in the energy system. This article analyzes the effect of Swiss consensus democracy’s core institutions (i.e. direct democracy, federalism, consociationalism) on the transformation of Swiss energy policy. It considers three core institutions of the Swiss political system constituting the distinct structures of power separation: consociationalism, federalism, and direct democracy, and describes their casespecific coupling as well as their relevance in the course of the Swiss energy transformation. We show with our qualitative process analysis that none of the three institutions of the Swiss consensus democracy or their loose coupling had a purely constraining effect on the transformation of Swiss energy policy. Moreover, the coupling of institutions seemed to be considerably relevant during the consultation phase and prior to the public vote. The analysis shows that institutional aspects, which are neglected in many policy-centric studies, are also a relevant factor in explaining policy change.

Key words: Consensus democracy; Energy Policy; Political steering; Switzerland

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Bibliographie: Kammermann, L. & Freiburghaus, R. (2019). Konsensdemokratie und die Transformation der schweizerischen Energiepolitik. dms – der moderne staat – Zeitschrift für Public Policy, Recht und Management, 12(2-2019), 329-346. https://doi.org/10.3224/dms.v12i2.09


Literaturhinweise



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