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Politik nach Präferenzlage oder pragmatisches Problemlösen? Landesregierungen und die Unterbringung von Asylbewerbern (1995-2016) / Party Politics or pragmatic problem-solving? Länder governments and the accomodation of asylum seekers (1995-2016)

Svenja Bauer-Blaschkowski

Volltext: PDF

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Während asylpolitische Entscheidungen des Bundes als ideologiegetrieben beschrieben werden, gelten die Kommunen seit Jahrzehnten als Vorreiter einer pragmatischen Asylpolitik. Unklar ist bislang, wodurch die Asylpolitiken der Bundesländer geprägt werden. Dieser Fragestellung geht das vorliegende Papier anhand der Einflussfaktoren auf die Unterbringungsart von Asylbewerbern nach. Es wird zunächst angenommen, dass Unterbringungspolitiken durch länderspezifischen sozioökonomischen Problemdruck geprägt werden. Kontrastierend wird ausgehend von der Parteiendifferenzhypothese argumentiert, dass unterschiedliche Landesregierungen die Unterbringungsart von Asylbewerbern gemäß ihren policy- und vote-seeking- Motiven verschiedenartig ausgestalten, diese im Wählerstimmenwettbewerb mit rechtspopulistischen Parteien aber restriktiver ausrichten. Die Befunde gepoolter Zeitreihenanalysen von 1995 bis 2016 zeigen, dass demografischer Problemdruck, steigende Asylbewerberzahlen und wirtschaftliche Ressourcen die Art der Unterbringung nur teilweise erklären. Vielmehr wird sie insbesondere durch SPD und Union entsprechend ihren ideologischen Motiven beeinflusst. Auf asylkritischere Einstellungen ihrer Stammwählerschaft reagieren beide mit einer restriktiveren Unterbringungspolitik. Im Wettbewerb mit der AfD verändern die Unionsparteien ihre Unterbringungspolitik restriktiv, die SPD dagegen permissiv.

Schlagworte: Asylpolitik; Unterbringung von Asylbewerbern; Bundesländer; Parteien

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Party Politics or pragmatic problem-solving? Länder governments and the accomodation of asylum seekers (1995-2016)

Abstract

Which motives shape the asylum policies of the German Länder? I investigate this question by focusing on accommodation of asylum seekers. First, I assume that accommodation policy depends on socioeconomic pressures and resources. Contrasting this, I argue that Länder governments shape accommodation policy according to their respective policy- and vote-seeking preferences. However, in competition with right-wing parties, they uniformly shift towards more restrictive measures. The results of pooled time series analyses (1995-2016) show that demographic pressure, increasing numbers of asylum seekers and economic resources only partly explain different accommodation policies. Rather, SPD and Union basically implement their policy preferences, but react differently to pressure from their electorate and from other parties. If their core electorate is xenophobic, both adopt more restrictive policies. Competing with the AfD, the SPD pursues more permissive policies, while the Union adapts restrictively.

Keywords: asylum policy; accommodation of asylum seekers; German Länder; party politics

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Bibliographie: Bauer-Blaschkowski, S. (2020). Politik nach Präferenzlage oder pragmatisches Problemlösen? Landesregierungen und die Unterbringung von Asylbewerbern (1995-2016). dms – der moderne staat – Zeitschrift für Public Policy, Recht und Management, 13(1-2020), 165-190. https://doi.org/10.3224/dms.v13i1.02


Literaturhinweise