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„Rückführbarkeit fördern“. Das Zusammenwirken von freiwilliger Rückkehr und Abschiebungen in Nordafrika

Inken Bartels

Volltext: PDF

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Der Artikel verknüpft aktuelle Ansätze der deportation studies mit Forschungen zu Rückkehr und Rückführungen in Afrika, welche bislang weitestgehend unabhängig voneinander betrachtet wurden, um verschiedene Rückführungspraktiken innerhalb des afrikanischen Kontinents als Teil eines komplexen, transnationalen Rückführungsregimes zu analysieren. Anhand des Programmes zur Unterstützung Freiwilliger Rückkehr und Reintegration der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Marokko und Tunesien zeige ich, wie staatlich erzwungene Abschiebungen und nicht-staatliche, auf Anreizen basierende Programme zur „freiwillige Rückkehr“ zusammenwirken, um unerwünschte sub-saharische Migrant*innen zur Rückkehr in weiter von den europäischen Außengrenzen entfernte Herkunftsländer zu bewegen. Ich argumentiere, dass durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Rückführungsinstrumente zwar nicht die tatsächliche Rückführung aller Migrant*innen im Transit bewirkt wird, diese jedoch in einen Zustand permanenter Rückführbarkeit bzw. returnability versetzt werden, welche – in Analogie zur staatlich produzierten Abschiebbarkeit bzw. deportability – sie zur vermehrten „freiwilligen“ Rückkehr bewegen soll. Gleichzeitig verdeutlicht der Artikel, dass auch unter diesen unübersichtlichen Rückführungsbedingungen im Transit unterschiedliche Möglichkeiten bestehen, den Rückführungen zu entkommen, die diversen Instrumente eigensinnig zu nutzen oder ihnen aktiv und kollektiv Widerstand zu leisten.

Schlagwörter: Abschieberegime, deportability, „freiwillige Rückkehr“, IOM, Marokko, Tunesien

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“Increasing returnability” – Voluntary Return as Part of a Complex Repatriation Regime in North Africa

Abstract

Current studies of deportation have, so far, mostly been developed independently from research on return and repatriation in Africa. This article links these literatures in order to analyse various practices of removal within the African continent as part of one complex, transnational repatriation regime. Using the International Organization for Migration’s (IOM) Assisted Voluntary Return and Reintegration Program in Morocco and Tunisia as an example, the article shows how state-enforced deportations and non-state incentive-based “voluntary return” programs work together in order to persuade “undesirable” sub- Saharan migrants, still far away from the European external border, to return to their countries of origin. It is argued that the interplay of the various return instruments does not result in the actual repatriation of all migrants in transit, but that it does put them in a state of permanent returnability, which – in analogy to state-produced deportability – is intended to encourage them to return “voluntarily”. At the same time, the article demonstrates that even under these complex conditions of return in transit, there remain different ways for migrants to escape repatriation, to appropriate the various instruments, or to actively and collectively resist them.

Keywords: deportation regime, deportability, „voluntary return“, IOM, Morocco, Tunisia

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Bibliographie: Bartels, Inken: „Rückführbarkeit fördern“. Das Zusammenwirken von freiwilliger Rückkehr und Abschiebungen in Nordafrika, PERIPHERIE – Politik • Ökonomie • Kultur, 3-2019, S. 343-368.
https://doi.org/10.3224/peripherie.v39i3.02

Literaturhinweise