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Zur Theorie der Deutungsmacht. Eine ideengeschichtliche Erkundung in klassischen und modernen Machttheorien

Joshua Folkerts

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Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Das Konzept der Deutungsmacht ist in jüngerer Zeit auch ins Interesse der Politikwissenschaft, Philosophie und Religionswissenschaft gerückt. Dieser Artikel soll einen Beitrag zur Formulierung einer Theorie der Deutungsmacht leisten, indem klassische und moderne Machttheorien auf ihre deutungsmächtigen Aspekte hin untersucht werden. Deutungen nehmen eine gewichtige Rolle in der menschlichen Wahrnehmung von Realität ein, weil sie sowohl epistemisch den Blick auf bestimmte Aspekte lenken als auch normative Kriterien bereitstellen, die bestimmte Handlungsoptionen überhaupt erst denkbar erscheinen lassen. Dadurch üben sie Macht aus. Sie beeinflussen wesentlich Überzeugungssysteme wie Ideologien, Religionen oder Mythen, die selbst wiederum Deutungen produzieren. Zudem werden Deutungen von Machtstrukturen getragen. Machtstrukturen sind dabei stets das Ergebnis vergangener Deutungsmachtkonflikte und stellen daher eine Sedimentierung oder Kristallisation siegreicher, zur Orthodoxie aufgestiegener Deutungen dar. Diese gewinnen somit als unhintergehbar wahrgenommene und damit invisibilisierte Bedingungen oder aber Hemmnisse menschlichen Handelns eine gewisse Unabhängigkeit von ihrem Entstehungskontext.

Schlüsselwörter: Deutungsmacht, Deutung, Überzeugungssystem, belief system, Macht

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Abstract

Recently, the concept of power of interpretation (Deutungsmacht) attracted the interest of political science, philosophy and religious studies. This article aims to contribute to the formulation towards a theory of power of interpretation by examining classical and modern theories of power in terms of their interpretative aspects. Interpretations (Deutungen) play an important role in the human perception of reality because they direct the epistemic focus towards specific aspects as well as provide normative criteria that make certain options for action conceivable in the first place. As a result they exercise power. They exert a substantial influence on belief systems such as ideologies, religions or myths, which themselves produce interpretations. Furthermore, interpretations are supported by power structures. These power structures are always the result of past conflicts over interpretive power and therefore represent a sedimentation or crystallization of victorious interpretations that rose to orthodoxy. They thus gain a certain independence from their context of origin as an irreducibly perceived and therefore invisibilized enabler or inhibitor of human action.

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Bibliographie: Folkerts, Joshua: Zur Theorie der Deutungsmacht. Eine ideengeschichtliche Erkundung in klassischen und modernen Machttheorien, ZPTh – Zeitschrift für Politische Theorie, 2-2019, S. 211-232. https://doi.org/10.3224/zpth.v10i2.04


Literaturhinweise