Zur Konstruktion des ‚Anderen‘ im Fußball: Implikationen für politische Bildung
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Abstract
Der Beitrag beleuchtet, wie Fußball durch die Konstruktion des „Anderen“ entlang der Achsen race, gender und class gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse reproduziert werden: Klassismus wirkt in ökonomischen Zugangshürden, Rassismus in strukturellen und alltäglichen Formen, Sexismus in der „Arena der Männlichkeit“. Diese Dynamiken entstehen nicht nur spiegelbildlich aus der Gesellschaft, sondern aus fußballeigenen Strukturen wie Körperorientierung, Wettbewerbscharakter und Kommerzialisierung. Kritisch-emanzipatorische politische Bildung kann hier ansetzen: Neutralitätsmythen entkräften, Teilhabe hinterfragen, sozioökonomische Barrieren thematisieren und ermächtigende Räume eröffnen. Fußball ist kein machtloser Spiegel, sondern ein gesellschaftlicher Akteur, der Grenzen sowohl zieht als auch überschreiten kann und so demokratische Veränderungsprozesse anstoßen kann.
Schlagwörter: Konstruktion des „Anderen“, Race – Gender – Class, Politische Bildung
Bibliographie: Sorg, Lea: Zur Konstruktion des ‚Anderen‘ im Fußball: Implikationen für politische Bildung, FuG – Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft, 2-2024, S. 156-170.
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