#EURO2024 – Fußball und Digitalität im Spiegel gesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse Eine explorative Studie zu Inhalten und Äußerungen in Social Media zur Fußball-Europameisterschaft aus diskriminierungskritischer Perspektive
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Abstract
Im Kontext der gegenwärtigen Digitalisierungsprozesse lässt sich die Kultur der Digitalität als Rahmen für gemeinschaftliches und individuelles Handeln in digitalen Räumen verstehen, was insbesondere auf Social Media im Fußballbereich übertragbar war. Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2024 wurde erwartet, dass User Generated Content eine zentrale Rolle spielt und das Turnier zu einem personalisierten, lokalisierten Medienereignis machte. Diese digitale Inszenierung betraf nicht nur die sportliche Berichterstattung, sondern auch politische Meinungsbildung und Verhaltenslenkung. Im Hinblick auf den „Sozialraum Stadion“, der durch territoriale, identitätsbezogene und diskriminierende Strukturen geprägt ist, wird in einer explorativen Untersuchung beleuchtet, wie diese im digitalen Raum reproduziert, transformiert oder verstärkt werden. Eine diskriminierungskritische Perspektive offenbart, dass rassistische und heteronormative Phänomene auf Plattformen wie Facebook und X sichtbar werden und durch die Kultur der Digitalität in einem politischen Diskurs zusammengeführt werden.
Schlagwörter: Digitalität, Social Media, Diskriminierung, EURO2024, Politik
Bibliographie: Breiwe, René/Schwehr, Marion Y./Monstadt, Florian/Dittmann, Leon/Schlag, Sabine: #EURO2024 – Fußball und Digitalität im Spiegel gesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse. Eine explorative Studie zu Inhalten und Äußerungen in Social Media zur Fußball-Europameisterschaft aus diskriminierungskritischer Perspektive, FuG – Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft, 1-2024, S. 83-98.
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