Zur Lage der politischen Bildung

Eine Serie von Beiträgen aus GWP

Heft 3-2021: Politische Bildung in der Sekundarstufe I und in der Berufsschule im Bundesländervergleich 2020 (Mahir Gökbudat)
Seit 2018 vergleicht das Ranking der Politischen Bildung jährlich, wie viel politische Bildung Schüler*innen der Sekundarstufe I in allen Bundesländern erhalten. Indem es die Stundetafeln der Bundesländer auswertet und die Wochenstundenzahl der Leitfächer der politischen Bildung vergleicht, schafft das Ranking Transparenz über politische Entscheidungen und deren Erfolg im Feld der politischen Bildung in der Schule. Der Beitrag bietet einen Einblick in die zentralen Ergebnisse des diesjährigen bundesweiten Ländervergleichs.

Heft 4-2021: Die Situation der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen - und ein Blick in die Zukunft (Bettina Zurstrassen)
Im nordrhein-westfälischen Landtag wurde mit den Stimmen der Abgeordneten der CDU/FDP-Regierungskoalition eine novellierte Lehramtszugangsverordnung beschlossen. Diese Entscheidung fiel, obwohl es einen breiten zivilgesellschaftlichen Widerspruch und Protest gegen die Pläne der Landesregierung gab. Das Unterrichtsfach „Sozialwissenschaften (Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft)“ wird, so der Verordnungstext, durch die Wörter „Wirtschaft-Politik/Sozialwissenschaften“ ersetzt. Diese Umbenennung der Lehramtsstudienfächer klingt zunächst wenig dramatisch, führt aber zu tektonischen Verschiebungen, die zu Lasten politischer und vor allem soziologischer Lehrinhalte gehen. Die hier wiedergegebene Landtags-Stellungnahme der DVPB NW skizziert daher nicht nur die Situation der sozialwissenschaftlichen Bildung in Nordrhein-Westfalen, sondern auch die befürchteten negativen Auswirkungen der novellierten Lehramtszugangsverordnung. Diese stellt einen Frontalangriff gegen die politisch-gesellschaftliche Bildung in Nordrhein-Westfalen dar.

Heft 3-2022: Die Stellung des Politikunterrichts an Berufsschulen. Eine Analyse bedeutsamer Rahmendokumente für das Leitfach der politischen Bildung (Christine Engartner)
„Die Vernachlässigung der politischen Bildung in der Berufsschule ist ein schwerer demokratiepolitischer Fehler“ (Gökbudak et al. 2021) – so konstatiert das aktuelle Ranking politische Bildung auf der Titelseite. Eine derart gravierende Vernachlässigung politischer Bildungsanliegen ist in Anbetracht der Tatsache, dass die Zahl der Auszubildenden (1,29 Mio.) die der Abiturient*innen (0,76 Mio.) deutlich übersteigt, beinahe ebenso erstaunlich wie der Sachverhalt, dass dieses Defizit in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit kaum diskutiert wird. Dies gilt erst recht, wenn man bedenkt, dass die Berufsschule für die Zielgruppe zumeist die „erste und zugleich letzte Stelle eines wirksamen politischen Unterrichts“ (Lempert 1971: 81) darstellt. Neben zuvor fehlenden Erfahrungen in gesellschaftlich konturierten Lebensbereichen endet für die meisten mit der Berufsausbildung die Schulpflicht und damit die Möglichkeit, „auch Lernende aus politisch distanzierten Herkunftsmillieus“ in einem institutionalisierten Rahmen mit politischer Bildung zu erreichen (Zurstrassen 2017: 10).

Heft 4-2022: Schule als politikfreie Zone? Politische Bildung in der gymnasialen Oberstufe im Bundesländervergleich 2021 (Mahir Gökbudak)
In diesem Beitrag wird die Frage beantwortet, welchen Stellenwert die politische Bildung in der gymnasialen Oberstufe in Deutschland hat. Das 2018 zum ersten Mal durchgeführte Ranking für politische Bildung vergleicht jährlich, wie viel politische Bildung Schüler:innen in allen Bundesländern erhalten. Dazu werden die rechtlich verbindlichen bildungspolitischen Vorgaben für die Verteilung von Unterrichtszeit in den sechzehn Bundesländern analysiert. Das diesjährige Ranking untersucht erstmals neben der Sekundarstufe I an allgemeinbildenden Schulen auch die gymnasiale Oberstufe in Deutschland. Die zentralen Ergebnisse für die Oberstufe werden in diesem Beitrag dargestellt und diskutiert.

In Vorbereitung: Externe Unterrichtsmaterialien als großes Problem für die Qualitätssicherung des Unterrichts (Markus Gloe)
Die zunehmende Verbreitung externer Unterrichtsmaterialien, die von Lobbyisten, Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und anderen Organisation erstellt und verbreitet werden, ist weiterhin ein großes Problem für die Qualitätssicherung des Unterrichts. Das gilt insbesondere für die gesellschafts- und sozialwissenschaftliche Fächer. Wissenschaftliche Untersuchungen haben in vielen Fällen die Einseitigkeit externer Materialien nachgewiesen und auch gezeigt, dass ein erheblicher Anteil dieser Materialien von Akteur_innen in die Schulen gebracht wird, um wirtschaftliche Eigeninteressen und/oder eine politisch-ideologische Mission zu verfolgen. Ein sachgerechter und professioneller Umgang mit diesen Beeinflussungs- und Manipulationsversuchen wird auch dadurch erheblich behindert, dass die gesellschafts- und sozialwissenschaftliche Fächer nach wie vor zu einem hohen Anteil von fachfremden Lehrkräften unterrichtet werden. Bereits 2014 hat der Bundesvorstand der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (BVPB) nachdrücklich auf diese Problematik aufmerksam gemacht und einen Transparenzkodex vorgestellt, der praktische und praktikable Mindeststandards zur Erhöhung der Transparenz hinsichtlich der Akteure hinter den externen Unterrichtsmaterialien vorsieht. Der Beitrag eruiert, inwieweit diese und andere Bemühungen Früchte getragen haben.

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