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„es is komisch es is keen mensch“ – Zuschreibungen gegenüber individualisierten technischen Assistenzsystemen. Eine Interviewstudie zum Nutzer/innenerleben in der Mensch-Computer-Interaktion

Julia Krüger, Mathias Wahl, Jörg Frommer

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Individuumszentrierte Mensch-Computer-Interaktion (HCI) gipfelt in Visionen wie der sog. Companion-Systeme. Diese sollen, über Werkzeuge hinausgehend, partnerschaftliche Begleiter ihres/ihrer Nutzers/in darstellen. Ob sie jedoch als solche Partner erlebt werden, hängt davon ab, ob der/die Nutzer/in ihnen Qualitäten wie Empathie oder Vertrauenswürdigkeit zuschreibt. In einer Interviewstudie verfolgen wir dieses konstruktivistische Verständnis des Nutzer/innenerlebens unter Bezug auf einen experimentell erzeugten Individualisierungsdialog. Auf Basis von 31 Initialnarrativen wurden vier Idealtypen – der Unreflektierte, der Bemühte, der Skeptiker und der Selbstzweifler – konstruiert. Sie ermöglichen, Strukturen der Varianz individueller Zuschreibungen und der Emotionen und Handlungen in Reaktion auf diese Zuschreibungen zu verdeutlichen und sinnhaft zu deuten. Die Ergebnisse decken das implizite nutzer/innenseitige Streben danach auf, das System zu einem berechenbaren, vertrauten Gegenüber und potenziellen Beziehungspartner zu machen. Dies wird auf die menschlichen Bedürfnisse nach Sicherheit und Zugehörigkeit zurückgeführt und fließt in eine Spezifizierung des Zuschreibungsverständnisses zum Konzept «beziehungsrelevanter Zuschreibungen» ein. Abschließend werden die Potenziale und Grenzen derartiger, dem technologischen Fortschritt kritisch gegenüberstehender qualitativer Untersuchungen des Nutzer/innenerleben in der HCI diskutiert.

Schlagwörter: Mensch-Computer-Interaktion, Companion-Systeme, Nutzer/innenerleben, Idealtypen, Zuschreibungen

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„es is komisch es is keen mensch“ – Ascriptions to individualized technical Systems. An Interview Study regarding the User Experience in Human-Computer Interaction

Abstract

Individualization focused human-computer interaction (HCI) culminates in visions like that of so-called Companion-systems. They shall transcend the stage of tools and represent cooperative attendants of their users. However, whether or not they are experienced as such attendants depends on the user ascribing qualities like empathy or trustworthiness to them. In an interview study, we pursue this constructivist understanding of the user experience referring to an experimentally generated individualization focused dialog. Based on 31 initial narratives four ideal types – the Non-reflecting, the Complaisant, the Skeptic and the Selfdoubting – were constructed. These allow to pointing up and reasonably interpreting structures in the variance of individual ascriptions and in users’ emotions and actions in reaction to these ascriptions. Results reveal users’ implicit efforts of making the system a predictable, familiar counterpart and a potential relational partner. This is traced back to the need for safety and the need to belong inherent in humans and is integrated in the specification of the notion of ascriptions to the concept of “relational ascriptions”. Finally, potentials and limitations of qualitative user experience studies, which illuminate a critical perspective on the technological progress, are discussed.

Keywords: Human-Computer Interaction, Companion-Systems, User Experience, Ideal Types, Ascriptions

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Bibliographie: Krüger, Julia/Wahl, Mathias/Frommer, Jörg: „es is komisch es is keen mensch“ – Zuschreibungen gegenüber individualisierten technischen Assistenzsystemen. Eine Interviewstudie zum Nutzer/innenerleben in der Mensch-Computer-Interaktion, ZQF – Zeitschrift für Qualitative Forschung, 1-2/2018, S. 233-251.
https://doi.org/10.3224/zqf.v19i1-2.16


Literaturhinweise



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