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Relationale Phänomenologie, reflexive Methodologie und empirische Wissenschaftstheorie. Zur Kritik und Weiterführung der „Kommunikativen Konstruktion der Wirklichkeit“

Hubert Knoblauch

Volltext: PDF

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

In diesem Beitrag soll die Kritik von Silke Steets (2019) und Jochem Kotthaus (2019) aufgenommen werden, die sich beide mit dem Buch „Die kommunikative Konstruktion der Wirklichkeit“ und der daran anschließenden Skizze „Kommunikativer Konstruktivismus und die kommunikative Konstruktion der Wirklichkeit“ (in dieser Zeitschrift) auseinandersetzen. Beide Beiträge werfen wichtige Fragen auf, die den theoretischen Ansatz mit Blick auf die Rolle der Subjektivität herausfordern und nach den methodologischen Folgen insbesondere für die qualitative Forschung stellen. Nach einer Zusammenfassung der zentralen Kritikpunkte möchte ich die Frage nach der theoretischen Rolle der Subjektivität aufnehmen. Im Sinne der geforderten offenen Theorie ist es zu einem gemeinsamen Versuch der Lösung dieser Frage durch die (Re-)Integration der „Dialektik“ der gesellschaftlichen Konstruktion gekommen. Entgegen der Kritik von Kotthaus steht die vermeintliche Reduktion dieses Ansatzes auf lediglich zeitlich ausgerichtete Sequenzanalysen im Widerspruch zur theoretischen Rolle, die der Körperlichkeit des Handelns, der Materialität der Kommunikation und nicht zuletzt der Räumlichkeit zugeschrieben werden, die wesentliches Merkmal nicht nur der Theorie, sondern auch der daran anschließenden empirischen Forschung sind. Zudem baut der kommunikative Konstruktivismus auf einer entwickelten Methodologie auf, die nicht nur eine Systematik der empirischen Methoden ermöglicht, sondern diese zum Gegenstand einer reflexiven Methodologie macht, die auch eine Relationierung der Mundanphänomenologie erfordert. Um den konstitutiven Zusammenhang zwischen der Theorie, den Methoden und der Methodologie zu klären, zielt der kommunikative Konstruktivismus deswegen auf eine neue empirische Wissenschaftstheorie.

Schlagwörter: Wissenssoziologie, Konstruktivismus, Kommunikativer Konstruktivismus, Phänomenologie, Relatinierung, Reflexive Methodologie, Empirische Wissenschaftstheorie

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Relational phenomenology, reflective methodology and empirical theory of science. On the critique and continuation of the “Communicative Construction of Reality”

Abstract

In this article, I take up the criticism of Silke Steets (2019) and Jochem Kotthaus (2019) of my book “Communicative Construction of Reality” and the subsequent article in this journal. Both critics raise questions as to the theoretical role of subjectivity of the methodological consequences of communicative constructivism especially for the qualitative research. After a summary of the central points of criticism, I would like to take up the question of the theoretical role of subjectivity in the third part of the contribution. In the sense of the open theory called for, the criticism has led to a joint attempt to solve this question by (re-)integrating the “dialectics” of social construction. In the fourth part, the contribution will deal with the methodological challenges to qualitative methodology. The presumed reduction of this approach to merely time-based sequence analyses contradicts the theoretical role attributed to the corporeality of action, the materiality of communication, and last but not least spatiality, which are essential features not only of theory but also of empirical research. Secondly, it should be emphasized that communicative constructivism is certainly based on a methodology which does not only allow for a systematization of empirical methods but subjects this systematics to a reflexive methodology, which also requires a relation of oral phenomenology. In order to clarify the constitutive relationship between theory, methods and methodology, communicative constructivism therefore aims at a new empirical theory of science.

Keywords: sociology of knowledge, constructivism, communicative constructivism, phenomenology, relativization, reflective methodology, empirical theory of science

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Bibliographie: Knoblauch, Hubert: Relationale Phänomenologie, reflexive Methodologie und empirische Wissenschaftstheorie. Zur Kritik und Weiterführung der „Kommunikativen Konstruktion der Wirklichkeit“, ZQF – Zeitschrift für Qualitative Forschung, 2-2020, S. 245-257. https://doi.org/10.3224/zqf.v21i2.07


Literaturhinweise