Positionierungen von Ethnograph:innen in Machtverhältnissen von Schule und Unterricht

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Fenna tom Dieck

Abstract

Im Zentrum dieses Beitrags stehen Positionierungen von Ethnograph:innen im Rahmen teilnehmender Beobachtung in Schulen. Anhand von Auszügen aus dem Datenmaterial eines Dissertationsprojekts zum schulischen Alltag neu migrierter Kinder und Jugendlicher wird rekonstruiert, wie Positionierungen mit Forschungsteilnehmenden situativ verhandelt werden. Dabei wird auf Unterschiede in den Forschungsbeziehungen zu Lehrkräften und Schüler:innen eingegangen, die bedingt sind durch die komplexen Verstrickungen aller Akteur:innen in die Hierarchieverhältnisse des Felds. Resümierend werden Positionierungen von Ethnograph:innen als interdependent, dynamisch und mehrdeutig charakterisiert. Davon ausgehend wird für eine relationale, kontext- und situationsspezifische Analyse ihrer jeweiligen Ausgestaltung plädiert, bevor abschließend Erkenntnispotenziale einer reflexiven Auseinandersetzung mit Positionierungen für das methodische Vorgehen und die Rekonstruktion von Ungleichheitsverhältnissen im Feld Schule exemplarisch anhand des vorliegenden Projekts skizziert werden.
Schlagwörter: Ethnographie, Positionierung, Feldzugang, Schüler:innenforschung, schulische Ordnung


Bibliographie: tom Dieck, Fenna: Positionierungen von Ethnograph:innen in Machtverhältnissen von Schule und Unterricht, ZQF – Zeitschrift für Qualitative Forschung, 2-2025, S. 176-189.

Artikel-Details

Erscheinungsdatum: Dezember 2025
Open Access ab: 10.12.2027
Open-Access-Lizenz: CC BY 4.0

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