Biografie und Nachträglichkeit – Methodologische Reflexionen zu tiefenhermeneutischer Biografieforschung in der Krise
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Abstract
In der psychoanalytischen Sozialforschung zu autoritären Bearbeitungsformen von Krisen und Transformationszumutungen hat sich die tiefenhermeneutische Analyse biografisch-narrativer Interviews als methodischer Ansatz etabliert. Dieser zielt darauf ab, latente und damit den Interviewten nicht bewusste Konfliktlagen zu rekonstruieren, die handlungs- und wahrnehmungsleitend sind. Im Artikel stehen methodologische Überlegungen im Zentrum: Ausgehend von biografietheoretischen Grundlagen wird entlang der Arbeiten von Alfred Lorenzer und dem psychoanalytischen Konzept der Nachträglichkeit zunächst entwickelt, wie sich im Erinnerungsstrom des Erzählens auch nicht sprachlich symbolisierte Lebensentwürfe und konflikthafte Anteile in der biografischen Form ausdrücken. Es kann außerdem gezeigt werden, dass die rekonstruierten Konfliktlagen einerseits untrennbar mit dem aktuellen (Krisen-)Geschehen verbunden sind und diese darüber mitentscheiden, welche biografischen Szenen im Erinnerungs- und Assoziationsfluss vorstellig werden. Andererseits erlaubt dieser Zugang auch einen Zugriff auf die Gewordenheit des aktuellen Konflikterlebens, ohne diese jedoch als biografische Urszenen misszuverstehen.
Bibliographie: Henze, Dustin/Knasmüller, Florian/Lewitan, Joëlle/Brunner, Markus: Biografie und Nachträglichkeit – Methodologische Reflexionen zu tiefenhermeneutischer Biografieforschung in der Krise, ZQF – Zeitschrift für Qualitative Forschung, 1-2026, S. 59-73.
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