Mit Kulturkampf und Aufklebern: Geistige Raumergreifungsstrategien der extremen Rechten im Fußball

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Franz Konietzky

Abstract

Der Beitrag untersucht den Fußball als bedeutenden Sozialraum und Agitationsfeld der extremen Rechten. Er analysiert, wie die extreme Rechte im Rahmen ihres übergreifenden Kulturkampfes den Sozialraum Fußball als relevanten gesellschaftlichen Teilbereich identifiziert hat und ihn mithilfe von geistigen Raumergreifungsstrategien zu erschließen versucht. Über potenzielle Anknüpfungspunkte wie das Gemeinschaftsgefühl oder das Freund-Feind-Schema wird eine symbolische, semantische, aber auch inhaltliche Anschlussfähigkeit hergestellt, die schließlich grundlegend für eine zunächst geistige, später auch physische Raumnahme im Stadion ist. Diese oftmals unsichtbaren geistigen Raumgewinne und diskursiven Grenzüberschreitungen sind somit Vorbedingung für eine sichtbare Rechtsverschiebung der Fanszene. Die Fanszenen sind damit nicht nur ein passives Abbild gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern vielmehr ein eigener, umkämpfter politischer Schauplatz, der in einer wechselseitigen Beziehung zum gesellschaftlichen Klima steht.
Schlagwörter: Sozialraum Fußball, Kulturkampf, Neue Rechte, Raumergreifungsstrategien, Fanszene


Bibliographie: Konietzky, Franz: Mit Kulturkampf und Aufklebern: Geistige Raumergreifungsstrategien der extremen Rechten im Fußball, FuG – Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft, 2-2024, S. 185-201.

Artikel-Details

Erscheinungsdatum: März 2026
Open Access ab: 02.03.2028
Open-Access-Lizenz: CC BY 4.0

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