Provinzielle politische Kultur und extreme Rechte im ländlichen Raum
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Abstract
Zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus in ländlichen Räumen trifft auf eine provinzielle politische Kultur. Provinzielle politische Kultur ist dadurch charakterisiert, dass „jede:r jede:n kennt“ und ist, daraus folgend, geprägt durch personenzentrierte Politik, Konformitätsdruck, Konsens- und Harmonieorientierung, Misstrauen gegenüber und Ablehnung von Fremden und insgesamt eine reaktionäre lokale Identität. Im Beitrag wird analysiert, wie sie sich auf das Engagement gegen die umtriebigen extrem rechten Akteur:innen in zwei Nachbardörfern auswirkt. Basierend auf qualitativen Interviews und Beobachtungen wird gezeigt, wie die provinzielle politische Kultur das Engagement gegen Rechtsextremismus in einem Dorf behindert, im anderen jedoch befördert.
Bibliographie: Engelke, Brit/Belina, Bernd: Provinzielle politische Kultur und extreme Rechte im ländlichen Raum, ZRex – Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung, Nr. 1-2026, S. 91-105.
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