Salzburger Symposion II - Kapitalismus und Ressentiment
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Abstract
Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Aufbau neuer Unternehmensformen im digitalen Kapitalismus mit der Schwächung demokratischer Strukturen kombiniert. Die Internetindustrie wird als Erneuerung eines Finanzregimes begriffen, das sich seit den 1970er Jahren formierte und mit der Bewirtschaftung von Information eine neue Quelle der Wertschöpfung erschloss. Dabei hat die Privatisierung von Netzwerken zur Aufzucht neuer Medienkonzerne geführt, deren Geschäfte in der Aneignung von öffentlichen Infrastrukturen und in der Belieferung von Meinungsmärkten bestehen. Die damit ausgelösten Debatten über fragmentierte Öffentlichkeiten, Polarisierung und Demokratieverlust werden zum Anlass genommen, das Wechselverhältnis zwischen Wirtschaftsprozessen und Affektökonomien zu verfolgen. Dem Sozialaffekt des Ressentiments kommt dabei eine privilegierte Position zu: Im gegenwärtigen Wirtschaftssystem fungiert er als Produkt und Produktivkraft zugleich und trägt gerade mit seinen politischen und sozialen Erosionskräften zur Stabilisierung des Informationskapitalismus bei.
Schlagwörter: Ressentiment, Informationskapitalismus, Demokratie, Soziale Medien, Affektökonomie
Bibliographie: Vogl, Joseph: Salzburger Symposion II – Kapitalismus und Ressentiment, Pädagogische Korrespondenz, 2-2025 (Heft 72), S. 86-96.
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Literatur
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