Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bei Studierenden der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik. Ergebnisse einer explorativen Studie

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Aljoscha Jegodtka, Sebastian Bornemann

Abstract

Die vorliegende, von Mai bis Juni 2023 durchgeführte quantitative explorative Studie untersucht, wie weit Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bei Studierenden der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik verbreitet ist. Hierzu wurde eine Kurzskala der Mitte-Studie genutzt. Daten von insgesamt N=482 Studierenden, davon 351 Studierende der Sozialen Arbeit (72,8%) und 131 Studierende der Kindheitspädagogik (27,2%) konnten ausgewertet werden. Es ließen sich insbesondere Abwertungen gegenüber Arbeits- und Obdachlosen sowie gegenüber Asylsuchenden und muslimischen Mitbürger:innen feststellen. Eine Clusteranalyse zeigte, dass 4,5% der Studierenden der Sozialen Arbeit und 7,9% der Studierenden der Kindheitspädagogik deutlich ausgeprägt abwertende Einstellungen vertreten. Diese Ergebnisse verweisen zum einen auf Herausforderungen für die Lehre an Hochschulen, da davon auszugehen ist, dass Studierende mit autoritär-abwertenden Einstellungen in den untersuchten Studiengängen vertreten sind. Zum anderen stellt sich der Praxis die Aufgabe, die professionsethische Haltung angehender Fachkräfte stärker zu adressieren. Für zukünftige Forschung ist es sinnvoll, zielgruppenspezifischere Erhebungsinstrumente zu entwickeln und ein längsschnittliches Studiendesign anzustreben.

Schlagwörter: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Studierende, Soziale Arbeit, Kindheitspädagogik, explorative Studie

Bibliographie: Jegodtka, Aljoscha/Bornemann, Sebastian: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bei Studierenden der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik. Ergebnisse einer explorativen Studie, ZRex – Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung, Nr. 1-2026, S. 74-90.

Artikel-Details

Erscheinungsdatum: März 2026
Open-Access-Lizenz: CC BY 4.0

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