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„Männer müssen lernen, mehr aus dem Bauch raus zu machen, und Frauen, den Kopf mit zu gebrauchen“. Geschlechterkonstruktionen durch ÄrztInnen

Gabriele Dennert

Abstract


Zusammenfassung

Studien konnten zeigen, dass das Geschlecht von PatientInnen medizinische Entscheidungsprozesse in ärztlichen Konsultationen beeinflusst. Wenig im Fokus stand jedoch bisher, wie Geschlecht in medizinischen Settings produziert und konstruiert wird. Diese Pilotstudie hat die Geschlechterkonstruktionen von niedergelassenen ÄrztInnen in ihren Erzählungen zur Empfehlung des Nahrungsergänzungsmittels Selen an KrebspatientInnen untersucht. Es wurden zwei Fokusgruppendiskussionen durchgeführt und mit Elementen der dokumentarischen Methode sowie mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die ÄrztInnen stellten ‚Geschlecht‘ als einen spezifischen, auf der PatientInnenseite lokalisierten Komplex von Verhalten und Befinden dar, wobei Männer als zu rigide und simplizistisch und Frauen als naiv und zu emotional geschildert wurden. Ihre Empfehlung von Selen sahen ÄrztInnen als Versuch, als problematisch empfundene geschlechtsspezifische Verhaltensweisen abzuschwächen.

Schlüsselwörter: Krebs, Geschlecht, Nahrungsergänzungsmittel Selen, Ärzte/Ärztinnen, Fokusgruppen

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‘Men need to learn to act on a gut level and women to use their brains’ – Physicians’ Constructions of Gender

Summary

Using the Example of the Nutritional Supplement Selenium Studies have shown that a patient’s gender is an important factor in physician–patient encounters and in influencing medical decisions. The question of how gender is produced and constructed in medical settings has received little attention so far. This pilot study investigated physicians’ constructions of gender in their accounts of recommending the nutritional supplement selenium to cancer patients. Two focus group discussions with physicians were conducted and analysed using elements of the documentary method and qualitative content analysis. Physicians depicted ‘gender’ as a specific complex of behaviour and feeling which can be attributed to the patients. Men were described as too rigid and simplistic, while women were seen as naïve and too sensitive. When recommending selenium, physicians tried to attenuate gender-specific behaviour which is regarded as problematic.

Keywords: cancer, gender, nutritional supplements, selenium, physicians, focus groups


Literaturhinweise



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