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„Der Mann, der immer kann?“ Kritische Anmerkungen zum Begriff der sexualisierten Gewalt aus politisch-psychologischer Perspektive

Marco Roock

Abstract


Zusammenfassung

In den Diskursen um sexuelle Gewalt von Männern gegen Frauen findet sich die weitverbreitete Annahme, dass diese nichts mit Sexualität zu tun habe. Im Gegensatz zum Begriff der sexuellen Gewalt bevorzugen die AutorInnen den der ‚sexualisierten Gewalt‘. Dieser soll zum Ausdruck bringen, dass Sexualität nur insofern eine Rolle spiele, als sie als „Mittel“ zur Gewaltausübung instrumentell eingesetzt werde. Einziges Ziel sexueller Gewalt sei die Demonstration und Ausübung von Macht durch die sexuelle Erniedrigung des Opfers. Die „Verflüchtigung des Sexuellen“ (Parin) aus dieser Diskussion hat schwerwiegende Folgen für die Täterpsychologie. Die Reduzierung der Motive der Täter auf reine Machtausübung unter instrumenteller Zuhilfenahme von Sexualität stellt ein entscheidendes Problem dar, weil durch diese Argumentation letztlich narzisstisch-phallozentrische Männerphantasien – wenn auch ungewollt – gestützt werden. Darüber hinaus führt die strikte Trennung von Sexualität und Gewalt zu einer harmonischen Verklärung von Sexualität, was eine gesellschaftskritische und -politische Auseinandersetzung mit Sexualität verhindert und die spezifische Grausamkeit sexueller Gewalttaten verdeckt.

Schlüsselwörter: Sexualisierte Gewalt, Sexuelle Gewalt, Kritische Männlichkeitsforschung, Politische Psychologie

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’The Omnipotent Man?‘ Critical Remarks on the Concept of Sexualised Violence from a Political/Psychological Perspective

Summary

In the discourses of sexual violence by men against women one widespread assumption is that this has nothing to do with sexuality. Contrary to the concept of sexual violence, the authors prefer that of ‘sexualised violence’. This is intended to express the fact that sexuality only plays a role insofar as it is exploited as a ‘means’ of exerting violence. The only purpose of sexual violence is to demonstrate and exercise power by sexually humiliating the victim. The ‘volatilisation of sexuality’ (Parin) from this discussion has serious consequences for the psychology of the offender. Reducing the offenders’ motives to the mere exercise of power under the exploitative use of sexuality is a crucial problem, because ultimately, this argument supports – albeit unintentionally – narcissistic-phallocentric male fantasies. The strict separation of sexuality and violence leads to a harmonious glorification of sexuality, which prevents the social criticism and political analysis of sexuality and obscures the specific cruelty of sexual violence.

Keywords: sexualised violence, sexual violence, critical men’s studies, political psychology


Literaturhinweise



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