Open Access Freier Zugang (Open Access)  Eingeschränkter Zugriff Zugang für Abonnent/innen oder durch Zahlung einer Gebühr

„Hier wie da wird geliebt“: Liebe als universales Phänomen in Verhandlungen zum Familienrecht

Sabina Schutter

Abstract


Zusammenfassung

Obwohl Liebe eines der zentralen Begründungsmotive dauerhafter Paarbeziehungen darstellt, wird der Begriff im deutschen Familienrecht mit Bezug auf die Ehe oder die eingetragene Lebenspartnerschaft nicht genannt. Davon ausgehend, dass in politischen Verhandlungen über Gesetzesänderungen eine Übersetzung gesellschaftlicher Realität in juristische Normen stattfindet, geht der Beitrag der folgenden Frage nach: Wie und wann sprechen Bundestagsabgeordnete von Liebe, wenn im Rahmen familienrechtlicher Reformen über Beziehungen zwischen hetero- und homosexuellen Paaren verhandelt wird? Das Material zeigt eine Spaltung zwischen einer Zuschreibung der Berechtigung von Liebe, die entweder mit sakralen Motiven in Verbindung gebracht wird, oder, wenn sie als unberechtigt gilt, als sexualisiertes Begehren abgewertet wird. Es ist außerdem darstellbar, dass eine universale Zuschreibung von Liebe bei hetero- und homosexuellen Paaren stattfindet, was allerdings wesentlich mit der Bereitschaft zur lebenslangen Unterhaltsverpflichtung zusammenhängt.

Schlüsselwörter: Familienrecht, eingetragene Lebenspartnerschaft, Ehe, Liebe

-----

Love is all around: Love as a universal phenomenon in family law debates

Summary

German family law does not mention love with regard to marriage or registered civil partnerships, even though love appears to be one of the central motivations for entering into a long-term relationship. Based on the assumption that political debates about legislative amendments serve to translate social reality into legal rules, this article addresses the following question: When and how do members of the German Parliament talk about love when debating heterosexual and homosexual relationships within the context of family law reforms? The results show a division between the attribution of justified love that is connected to religious motivations and of unjustified love that is connected to sexual desire. It can also be shown that love is universally attributed to both heterosexual and homosexual couples, although this is essentially linked to the willingness to pay maintenance over a whole lifetime.

Keywords: family law, civil partnership, marriage, love

-----

Bibliographie: Schutter, Sabina: „Hier wie da wird geliebt“: Liebe als universales Phänomen in Verhandlungen zum Familienrecht, GENDER, 1-2016, S. 58-74. https://doi.org/10.3224/gender.v8i1.22201


Literaturhinweise



Volltext: PDF