Ambivalentes Differenzieren im Fluchtmigrationskontext: zur sozialpädagogischen Praxis mit jungen Geflüchteten
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Abstract
(Gegenwärtige) Fluchtmigrationsbewegungen gehen mit ambivalenten gesellschaftlichen Dynamiken einher, die für Soziale Arbeit im Allgemeinen und im Feld der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten im Besonderen mit Herausforderungen verbunden sind. Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, wie sich im institutionellen Alltag der Betreuung von jungen Geflüchteten (in der Schweiz) ambivalente Differenz(ierungs)praktiken vollziehen. Die soziale Praxis des ambivalenten Differenzierens stellt hierbei, so die empirisch aufzuzeigende These des Beitrages, ein zentrales Phänomen dar. Auf Basis von ethnographischem Datenmaterial lässt sich dies in der institutionellen Betreuungs- und Unterbringungspraxis von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten aus einer ungleichheits- und praxistheoretisch informierten Perspektive in besonderer Weise rekonstruieren. Der Begriff des ambivalenten Differenzierens bezieht sich auf das Spannungsverhältnis, in dem sich eine ungleichheits- und struktursensible Soziale Arbeit im Fluchtmigrationskontext bewegt, die immer schon auf Andere verwiesen ist.
Bibliographie: Mörgen, Rebecca: Ambivalentes Differenzieren im Fluchtmigrationskontext: zur sozialpädagogischen Praxis mit jungen Geflüchteten, Zeitschrift für erziehungswissenschaftliche Migrationsforschung (ZeM), 2-2025, S. 133-149.
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