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„Education in a Box“. Die Herstellung schulischer Artefakte in der Lehr-Lernmittelindustrie

Jutta Wiesemann, Jochen Lange

Abstract


Zusammenfassung

Mit der den Schulen zuliefernden Lehr- und Lernmittelindustrie ist ein Forschungsfeld benannt, dessen Akteure die pädagogische Schulpraxis und ihre täglichen Lernsituationen überlokal figurieren: Artefakte sollen mit ihren Bedeutungen – über die Situation der Entwicklung hinaus – in (spätere) Schulsituationen hinein wirken. Die Entwicklung und „Einschulung“ dieser Lernobjekte ist eine professionelle Praxis, die noch weitgehend unerforscht ist. Hier setzt der Beitrag an und gibt Einblick in die ethnographische Forschung, mit der eben diese Bedingung pädagogischer und didaktischer Praxis der Analyse zugänglich gemacht wird. In den Blick geraten so materielle Adressierungen und Orientierungen (an LehrerInnen, SchülerInnen, Kunden, Unterricht) als Resultat von Aushandlungsprozessen zwischen den Vertretern verschiedener professioneller Fachkulturen (Naturwissenschaftler, Grundschuldidaktiker, Verleger, Händler). Jenseits von Unterricht entstehen so Artefakte die bestimmte Fremdbilder von Schule beinhalten. Ferner soll die unterrichtliche Praxis mit diesen Dingen erkennbar modelliert werden. Diese Prozesse der außerschulischen Modellierung, die auf den schulischen Gebrauch zielen, werden empirisch aufgezeigt und analysiert. Es zeigt sich, dass für die Entwicklung eine vielperspektivische Schullogik Berücksichtigung finden muss. Hierzu beschreiben wir exemplarisch den Prozess des „Anonymisierens“ von alltäglichen Phänomenen, mit dem ein schulisches Präsentieren und Neukontextualisieren von implizit bereits bekannten Phänomenen ermöglicht wird.

Schlagwörter: Didaktische Materialität; Lehrmittelindustrie; schulisches Wissen; naturwissenschaftliche Phänomene; Ethnographie

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Abstract

„Education in a box“ – the production of scolastic artifacts in the teaching and learning materials industry The teaching materials industry is a research field whose actors translocally shape the pedagogical school practice and its daily learning situations and whose artefacts affect the school situation. The development and “introduction” of these learning objects is a professional practice almost entirely unexplored. This paper will provide insights into ethnographic research, analysing this neglected condition of pedagogical and didactic practice. Material addressing and orientation (to teachers, pupils, customers, lessons, etc.) are examined as the result of negotiations between the representatives of various professions (such as natural scientists, elementary school educationalists, publishers, salespeople, etc.). Artefacts are created outside of the lesson that contain certain external notions of the school and are meant to model teaching practice. Precisely these processes of non-school modelling aimed at school practice will be empirically analysed. In developing a way to address customers for these products, it is important to consider a multi-dimensional school logic. One process described here is “anonymisation”, or the presentation of an everyday and implicitly understood phenomenon in a new, foreign context.

Keywords: Education and artefacts; teaching materials industry; scholastic knowledge; scientific phenomena; ethnography

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Bibliographie: Wiesemann, Jutta/Lange, Jochen: „Education in a Box“. Die Herstellung schulischer Artefakte in der Lehr-Lernmittelindustrie, ZISU, 1-2015, S. 80-91. https://doi.org/10.3224/zisu.v4i1.21316


Literaturhinweise



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