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„Es sollte am Schluss ein deutscher Satz rauskommen, nicht?“ – Rekonstruktionen zur Entstehung mathematischen Wissens im Schulunterricht

Uwe Hericks

Abstract


Zusammenfassung

Im Zentrum des Beitrags steht die Analyse eines Unterrichtstranskipts mittels Dokumentarischer Methode. Inhaltlich geht es um die Erarbeitung einer angemessenen Formulierung für den Satz des Pythagoras. Die Analyse fördert differierende, komplex sich überlagernde Orientierungsrahmen von Lehrperson und Schüler/innen zutage. Dem alltagsprachlich-konkreten Orientierungsrahmen der Schüler/innen stehen ein fachdidaktisch-pädagogischer und ein (im engeren Sinne) fachlicher Orientierungsrahmen des Lehrers gegenüber. Zugleich werden die institutionelle Bedingtheit und die Bewertungsfunktion von Schule als gemeinsam geteilter Orientierungsrahmen im unterrichtlichen Handeln und Sprechen der Akteure reproduziert. Das Ergebnis spiegelt die ‚analytische Leidenschaftslosigkeit‘ der Dokumentarischen Methode, die nicht schon im Vorhinein zwischen scheinbar relevanten und weniger relevanten Aspekten, zwischen intendierten Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen des Unterrichts unterscheidet. Hierin liegt ihr Potenzial für eine kasuistisch angelegte Lehrerbildung begründet.

Schlagwörter: Rekonstruktive Unterrichtsforschung, Mathematikunterricht, Dokumentarische Methode, Orientierungsrahmen, Fallarbeit

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“The result should be a German sentence, shouldn’t it?! Reconstructions of the formation of mathematical knowledge in school teaching.”

Abstract

The main focus of the present article is on the analysis of a lesson transcript by means of Documentary Method. As regards content, it deals with the elaboration of an appropriate wording for the Pythagorean theorem. Revealing differing and complexly overlapping orientation frameworks of teachers and students, the analysis furthermore unveils the colloquially specific orientation framework of students opposed to a subject-related didactic-educational and (in the narrower sense) a content knowledge orientation framework. At the same time, the institutional determination and the evaluation function of school as an orientation framework, mutually shared by actors in teaching activity and talking, is being reproduced. The results mirror the ‘analytical dispassion’ of the Documentary Method, which doesn’t in advance discriminate between apparently relevant and less relevant aspects, between intended results and unintended side-effects of teaching. Herein lies the potential of a teacher training based on casuistry.

Keywords: reconstructive teaching research, mathematics instruction, Documentary Method, orientation framework, casework

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Bibliographie: Hericks, Uwe: „Es sollte am Schluss ein deutscher Satz rauskommen, nicht?“ – Rekonstruktionen zur Entstehung mathematischen Wissens im Schulunterricht, ZISU, 1-2016, S. 132–147.
https://doi.org/10.3224/zisu.v5i1.08

Literaturhinweise



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