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Freiheitsaktionen der Frauenbewegung: die kollektiven Busfahrten zu Schwangerschaftsabbrüchen in die Niederlande (1975–1977) als Form ver-körperten Protests

Christiane Leidinger

Volltext: PDF

Abstract


Leseprobe

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Zusammenfassung

Der Beitrag setzt sich mit einer politischen Aktion(sform) auseinander, mit der feministisch gegen das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen protestiert wurde. Die transnationale Aktionsform der kollektiven Busfahrten in die Niederlande wird dabei als (doppelsinnige) Freiheitsaktion und vier-dimensional ver-körperte Direkte Aktion im Sinne anarchistischer Selbsthilfe am bundesdeutschen Staat vorbei analysiert. Es handelte sich um eine frauenbewegte Handlungsoffensive machtvoller Gemeinschaftlichkeit, die, 1975 beginnend, solidarische Kollektivität und Öffentlichkeit als Strategie nutzte, um eine faktische Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechts zu erwirken: In der Form der politischen Aktion wurde das Ziel selbst sichtbar gemacht (Konkretheit) und dieses unmittelbar durch die Abtreibungen erreicht (Implementierung). Empowernd schuf die Aktionsform selbstorganisierte Handlungsspielräume, wies dabei Angst und Scham zurück und delegitimierte das Gesetz. Nach einer reflexiven Kritik wurde die Aktionsform 1977 eingestellt. Resümierend werden die vorliegenden 11 Prinzipien einer Konzeption feministischen Widerstands um die Aktionsformaspekte feministische Reflexion und Solidarität erweitert.

Schlüsselwörter: Frauenbewegung, Protest, Selbsthilfe, Schwangerschaftsabbruch, Transnationalität, Freiheit

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Political action for freedom in the women’s movement: Collective bus rides to abortion clinics in the Netherlands (1975–1977) as a form of embodied protest

Summary

This article deals with a form of political action in which feminists crossed a line in protest against the ban on abortions in the FRG. These collective bus rides to the Netherlands are analyzed as a transnational political action for (ambiguous) freedom and a four-dimensional Direct embodied action in the sense of the self-help doctrine of anarchy – in other words, without involving the State. Instead, this was a female-led campaign of an empowered community which in 1975 began to use solidarity, collectivity, and publicity to enforce the right to self-determination. The form of this action makes the goal visible (concreteness) and that goal was directly achieved when the abortions were carried out (implementation). The form of action was self-empowerment and it created new self-organized scope for action; it also contributed to overcoming fear and shame and delegitimized the law. After some self-critical reflection, this form of action was abandoned in 1977. The discussion concludes by arguing that feminist reflection and solidarity, that is aspects borrowed from this form of action, should be added to the 11 established principles of feminist resistance.

Keywords: women’s movement, political action, selfhelp, abortion, transnationality, freedom

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Bibliographie: Leidinger, Christiane: Freiheitsaktionen der Frauenbewegung: die kollektiven Busfahrten zu Schwangerschaftsabbrüchen in die Niederlande (1975–1977) als Form ver-körperten Protests, GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 1-2022, S. 134-151. https://doi.org/10.3224/gender.v14i1.10

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Literaturhinweise