„Man kann es nicht richtig pinpointen“. Ostdeutsche Weltbeziehungen und gefühlte Zugehörigkeit in der Nachwendegeneration
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Abstract
Auch über drei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR zeigen sich in Ostdeutschland weiterhin spezifische soziokulturelle Eigenheiten, die sich über Generationengrenzen hinweg erhalten haben. Entgegen der Annahme eines fortschreitenden Bedeutungsverlusts der Ost-West-Differenz deuten aktuelle Studien auf einen „soziokulturellen Eigensinn“ Ostdeutscher hin, der sich unter anderem in Einstellungen zur DDR-Vergangenheit, zur Wiedervereinigung sowie in Vorbehalten gegenüber Politik und Medien äußert. Der vorliegende Beitrag nimmt diese Besonderheiten aus einer weltbeziehungstheoretischen Perspektive in den Blick. Basierend auf Hartmut Rosas Konzept der Weltbeziehungen wird untersucht, wie ostdeutsche Eigenheiten in Weltverhältnissen verankert sind. In Kombination mit biographisch-narrativen Interviews ermöglicht dieser Zugang eine differenzierte Analyse affektiver, kognitiver und evaluativer Dimensionen ostdeutscher Weltbeziehungen. Wir präsentieren unseren Analysezugang anhand von zwei biographischen Interviews mit Angehörigen der ostdeutschen Nachwendegeneration, die die DDR und die Transformationszeit nicht selbst erlebt haben. Die Analyse zeigt, dass ostdeutsche Herkunft vor allem affektiv wirksam bleibt: Auch wenn kognitive und evaluative Bezüge zur DDR fehlen oder diffus bleiben, werden Ost- und Westdeutschland weiterhin als unterschiedliche Erfahrungsräume empfunden. Der Beitrag liefert so neue Einblicke in die Persistenz ostdeutscher Prägungen und die intergenerationelle Weitergabe eines kulturellen Eigensinns.
Bibliographie: Brachat, Stefan/Lindner, Diana: „Man kann es nicht richtig pinpointen“. Ostdeutsche Weltbeziehungen und gefühlte Zugehörigkeit in der Nachwendegeneration, BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 1-2026, S. 22-39.
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Titel: „Man kann es nicht richtig pinpointen“. Ostdeutsche Weltbeziehungen und gefühlte Zugehörigkeit in der Nachwendegeneration
Ausgabe: Jg. 39, Nr. 1-2026: Anfechtbare Erzählungen über die DDR. Zum zeithistorischen Stellenwert von Biographieforschung und Oral History