Reflexive Internetnutzung und mediale Kompetenzstrukturen im frühen Jugendalter: Wie reflektieren Jugendliche ihre Internetnutzung und welche Rolle spielen dabei Familie und Peers?

Diana Raufelder, Eva Fraedrich, Sue-Ann Bäsler, Angela Ittel

Abstract


Zusammenfassung

Mediennutzungsstudien verzeichnen eine wachsende Beliebtheit des Internets bei Jugendlichen (JIM-Studie 2007). Gerade deshalb steigen die Ängste und Befürchtungen der Eltern um mögliche negative Auswirkun­gen der Internetnutzung auf ihre Teenager (JIM-Studie 2007; Raley/Wang/Bianchi 2005). Der Schlüssel zu einer sinnvollen und bewussten Nutzung des Internets wird häufig in der „Medienkompetenz“ gesehen (vgl. Baacke 2004; Treumann et al. 2007). Medienkompetenz bedeutet nicht nur erfolgreiche technische Handhabung und Anwendungsfertigkeiten im Umgang mit dem Internet, sondern auch Reflexion und Beurteilung des Mediums. Ziel der hier vorgestellten qualitativen Untersuchung im Rahmen des Forschungsprojektes „Log on kids!“ der Freien Universität Berlin war es, zu klären, inwiefern Jugendliche ihre In­ternetnutzung reflektieren und welche Rolle dabei Familie und Peers spielen. Als weitere Faktoren wurden Geschlecht und Häufigkeit der Internetnutzung in die Analyse mit einbezogen. Dazu wurden 15 Jungen und 15 Mädchen an Berliner Grundschulen mittels qualitativer Leitfadeninterviews befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass eine inhaltliche Reflexion der Internetnutzung größtenteils mit den Peers stattfindet. Die Familie hingegen spielt eher eine Rolle bei der Vermittlung von Fertigkeiten und bei der Aufstellung von Regeln in Bezug auf die Internetnutzung. Je häufiger die Jugendlichen das Internet nutzen, desto intensiver setzen sie sich mit dem Medium auseinander und sind somit kompetenter, indem sie beispielsweise ein höheres Konsum- und Risikobewusstsein zeigen. Geschlechtsspezifische Unterschiede konnten nicht festgestellt werden.

Schlagwörter: Internetnutzung, Peers, Medienkompe­tenz, Medienkritik

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Abstract

Recent media use studies register an increasing internet use in early adolescence (JIM-Studie 2007), which, at the same time, rises fear among parents about negative impacts on their teenager-children (JIM-Studie 2007; Raley/Wang/Bianchi 2005). Therefore, “media literacy” seems to be the key word for a reasonable and conscious use of the internet and means not only the succesful technical handling and utilization skill but also the reflection and estimation of the internet – also referred to as media criticism (Baacke 2004; Treumann et al. 2007). The aim of this qualitative investigation was to answer how adolescents reflect on their own internet use as well as to ascertain the influence of their families and peer-group. Other determined factors were gender and frequency of the internet use.For that purpose 15 girls and 15 boys from Berlin primary schools were surveyed by guided interview. We found out that the respondents reflect the contents of their internet use mostly within the peer-group while the family’s role is especially to convey skills and to set up limits in reference to the length and frequency of the internet use. The more the adolescents use the internet the better they are able to deal with the subject and increase their literacy because of a higher consciousness in reference to their consumption and risks. Gender differences could not be elicited.

Keywords: Internet use, peers, media literacy, media criticism


Literaturhinweise



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