Ostdeutsche Arbeitsbiographien Kontinuität und Transformation, Industrialismus und Fraktur nach 1989/90
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Abstract
Wie blicken ehemalige DDR-Bürger und Bürgerinnen auf ihre Erwerbsbiographien, und wie ist ihr Selbstbild geprägt von der DDR als „arbeiterlicher Gesellschaft“ (Engler 1999) und den Transformationserfahrungen? In welche Beziehung setzen sie ihre eigenen Erfahrungen zu aktuellen gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen über die DDR und deren Ende? Auf der Basis biographischer Narrationen von 26 Personen, die im Sommer 2022 in zwei Kleinstädten in Ostdeutschland an einer Reihe von sechs „Erzählsalons“ (vgl. Jacobsen/Rohnstock 2024) teilnahmen, geht der Beitrag auf die Veränderungen der biographischen Positionierungen (Bamberg 2022) vor dem Hintergrund der starken industriellen Prägung in der DDR und der sozialen und ökonomischen Brüche in der Zeit nach 1990 ein. Die erwerbsbiographischen Erzählungen reflektieren den Zerfall industrieller Strukturen und den Wandel der Stadtgesellschaften. Die Teilnehmenden adressieren weniger eine Dichotomie von DDR-Nostalgie versus Systemkritik, sondern vielmehr die Herausforderungen und Ambivalenzen beruflicher Umbrüche. Im Fokus stehen Prozesse zwischen Öffnung für gemeinsames Handeln und Vereinzelung, aktiven Versuchen des Gestaltens und sozialem Rückzug, durch die sich die Erzählenden gegenüber dominanten gesellschaftlichen Narrativen und zu ihren eigenen Biographien positionieren. Die Rekonstruktion zeigt lokale Unterschiede: Während in der von Braunkohle geprägten Stadt die Krise als dauerhaft und unverarbeitet erlebt wird, zeigen sich in der Stadt mit diversifizierterer Wirtschaftsstruktur pragmatische Strategien individueller und kollektiver Neuorientierung.
Bibliographie: Pflücke, Virginia Kimey/Elsner, Alexander/Jacobsen, Heike: Ostdeutsche Arbeitsbiographien. Kontinuität und Transformation, Industrialismus und Fraktur nach 1989/90, BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 1-2026, S. 110-129.
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Titel: Ostdeutsche Arbeitsbiographien
Ausgabe: Jg. 39, Nr. 1-2026: Anfechtbare Erzählungen über die DDR. Zum zeithistorischen Stellenwert von Biographieforschung und Oral History