Erziehungspraktiken zwischen Geschwistern in Viel-Kind-Familien

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Jürgen Budde, Lotta Hellberg

Abstract

Ausgehend von Desideraten zu Viel-Geschwister-Familien thematisiert der Beitrag innerfamiliäre Erziehungsprozesse aus der Perspektive von Kindern. Aufgrund der vielfältigen Beziehungen zeigen sich in Viel-Geschwister-Familien generationale Mikroverhältnisse, die von einem Spannungsfeld aus Gleichheit und Differenz geprägt sind. Im Zentrum steht die Analyse von Erziehungspraktiken zwischen Geschwistern als ‚verschiedene Gleiche‛. Erziehungspraktiken in Familien werden dabei als Relationierung von Positionierungen und Subjektivierungen beschrieben. Anhand von Gruppendiskussionen mit Viel-Geschwister-Konstellationen wird Gerechtigkeit als zentraler Modus des „doing family“ mit einem stark vergemeinschaftenden Moment herausgearbeitet, welches spannungsreich zu Individuationsaushandlungen um Aufmerksamkeit steht. Schließlich wird gezeigt, dass vergemeinschaftende Geschwisterbeziehungen sowie vorherrschende Konfliktthemen vielschichtige Subjektpositionierungen hervorbringen.
Schlagwörter: Geschwister, mikrogenerationale Differenz, Erziehung, Subjektivierung, Positionierung


Bibliographie: Budde, Jürgen/Hellberg, Lotta: Erziehungspraktiken zwischen Geschwistern in Viel-Kind-Familien, Diskurs Kindheits- und Jugendforschung / Discourse. Journal of Childhood and Adolescence Research, 4-2025, S. 475-489.

Artikel-Details

Erscheinungsdatum: Januar 2026
Open-Access-Lizenz: CC BY 4.0

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